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 Viele Schlösser und eine Zwangsabgabe

 
Woran denkt man wohl, wenn man von einer herrlichen Schlösserlandschaft hört? Wahrscheinlich an die Loire, vielleicht auch an Dresden und Umgebung, möglicherweise an Sankt Petersburg und die Zarenpaläste. Aber Dänemark? Ich gebe unumwunden zu, es wäre mir in diesem Zusammenhang zumindest nicht als Erstes in den Sinn gekommen - und das wahrscheinlich völlig zu Unrecht. Gibt es doch auf der Insel Seeland gleich mehrere Schlösser, die durchaus sehenswert sind.
 
Während unseres Urlaubs haben wir es immerhin geschafft, uns drei von ihnen anzusehen, die außer ihrer geografischen Lage noch weitere Gemeinsamkeiten haben. Sie alle wurden im Stil der Renaissance erbaut: Kronborg und Frederiksborg stehen für die nordische Renaissance, Rosenborg orientiert sich am Stil der niederländischen Renaissance. Obwohl Dänemark bekanntlich nach wie vor eine Monarchie ist, werden alle drei Schlösser inzwischen als Museen genutzt.
 
Schloss Kronborg ist neben der aktuellen Königsresidenz Amalienborg vermutlich das bekannteste Schloss Dänemarks. Mir scheint allerdings, dass es unter seinem Beinamen die weitaus größere Berühmtheit erlangt hat - es ist das „Hamlet-Schloss“. Hier, in der beschaulichen Kleinstadt Helsingør am Öresund, ließ Shakespeare seine Tragödie spielen, ohne die weder die Weltliteratur noch die Geschichte des modernen Theaters denkbar wären. Das Schloss, das ihm als Vorbild diente, stammt aus der Zeit von 1574-1585 und wurde nach einem großen Brand bis 1640 wieder aufgebaut. Das Areal war bereits 1420 genutzt worden, um dort eine Burg zu errichten, von deren Bestimmung später noch die Rede sein wird.
 
Mitten in der Hauptstadt befindet sich das zweite Schloss. Nein, diesmal geht es nicht um Amalienborg, sondern um das idyllisch im Königsgarten gelegene Rosenborg. Den Königsgarten ließ Christian IV. 1606 als Lustgarten anlegen, und bis heute bietet er im Schatten des aus roten Ziegelsteinen und grauem Sandstein erbauten Schlosses das eine oder andere lauschige Plätzchen zum Verweilen. Das Schloss selbst ist vergleichsweise klein, beherbergt aber seit 1838 die Chronologische Sammlung der dänischen Könige, in der auch die Kronjuwelen ausgestellt sind.
 
Am besten gefallen hat mir von den drei Schlössern jedoch das Wasserschloss Frederiksborg, das uns auch der Baedeker als das schönste Dänemarks angepriesen hatte. Obwohl die Stadt und die stadtzugewandte Seite des Schlosses auf den ersten Blick nicht unbedingt viel her machen, eröffnet sich, kaum dass man das Eingangstor passiert hat, eine völlig neue Perspektive: das Backsteinschloss mit allen Gesimsen, Ziergiebeln und Figuren inmitten eines wunderschönen Parks. Die gesamten zum Innenhof gelegenen Fassaden des Schlosses sind mit Skulpturen verziert, und in der Mitte des Schlossplatzes gibt es einen Neptunbrunnen. Der Barockgarten hinter dem Schloss ist terrassenförmig angelegt. Abgesehen davon, dass er wirklich riesig ist, ist er auch sehr gut gepflegt.
 
Die letzte Gemeinsamkeit der drei Schlösser, die hier erwähnt werden soll, liegt jedoch noch länger zurück und bezieht sich auf die Gelder, mit denen der Bau all dieser Prachtstücke finanziert wurde. Dies waren nämlich Mittel aus dem sogenannten Sundzoll. Diese Abgabe hatte König Erik VII. bereits 1429 eingeführt, und von da an mussten sie bis 1857 alle nichtdänischen Schiffe, die den Öresund passieren wollten, entrichten. An dieser Stelle schließt sich auch der Kreis zu den genannten Schlössern. Während Rosenborg lediglich mithilfe dieser - böse ausgedrückt - maritimen Wegelagerei erbaut wurde, ist die Geschichte von Kronborg und Frederiksborg eng damit verbunden. In Helsingør nämlich musste der Sundzoll entrichtet werden, und die erste Festung, die an der Stelle des heutigen Schlosses Kronborg errichtet wurde, wurde bereits ab 1429 für das Eintreiben des Geldes genutzt. Schwedische Schiffe allerdings waren ab 1645 für 75 Jahre von der Zahlung befreit, verloren dieses Vorrecht jedoch wieder durch den erwähnten Frieden von Frederiksborg.
 
Bei allen Einwänden, die man gegen den Sundzoll vorbringen kann, hat er doch immerhin auch etwas Positives hervorgebracht: Ohne diesen Wohlstand wäre Dänemark wahrscheinlich um einige Attraktionen ärmer. Die drei Schlösser gehören mit Sicherheit dazu.

(Dieser Blogeintrag ist ein Auszug aus der gleichnamigen Reiseskizze, die demnächst in meinem Buch „Höhenangst in Paris, böhmische Drachen und eine wenig bekannte Wiedergeburt“ im Anthea-Verlag erscheint.)
 
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